Alexandre Calame
Geboren 1810.
Gestorben 1864.
Ein Wildbach, ein umgestürzter Baum, eine Aufhellung in der Ferne: Bei Alexandre Calame wird das Gebirge zu einem sinnlichen Erlebnis. 1810 in Vevey geboren und 1864 in Menton gestorben, zählt dieser Maler zu den bedeutenden Vertretern der Schweizer romantischen Landschaftsmalerei. Seine Kunst verbindet die Beobachtung konkreter Orte mit einer Komposition, die die Kraft oder die Heiterkeit der Natur spürbar werden lässt.
In Genf ermöglichte ihm die Unterstützung des Bankiers Jacques Amédée Diodati, sich ab 1829 bei François Diday ausbilden zu lassen. Seine Studien führten ihn ins Berner Oberland und in die Zentralschweiz. Die vor dem Motiv angefertigten Studien bildeten anschliessend die Grundlage für im Atelier ausgearbeitete Gemälde: Die Genauigkeit der Details fügt sich in eine wohlüberlegte Anordnung der Massen, der Tiefenwirkung und des Lichts ein.
1839 wurde Orage à la Handeck, heute im Musée d’art et d’histoire de Genève aufbewahrt, am Pariser Salon ausgezeichnet. Dieser internationale Erfolg festigte eine spektakuläre Sicht auf die alpine Landschaft. Die Nähe des Wildbachs und die Lichtkontraste vermitteln dem Betrachter das Gefühl, dem entfesselten Wirken der Elemente beizuwohnen.
Im Geist des romantischen Erhabenen wird die Natur selbst zum Thema des Gemäldes.
Calame verstand es auch, Ruhe darzustellen. In Le lac de Brienz von 1843, im Kantonalen Kunstmuseum Lausanne, eröffnen die Wasserflächen und die Fernblicke einen stillen Raum. Seine Auseinandersetzung mit den holländischen Landschaftsmalern, insbesondere mit Hobbema und Ruisdael, schärfte seine Aufmerksamkeit für das Laubwerk, die Transparenz des Wassers und die Übergänge des Lichts.
Als Zeichner, Aquarellist, Radierer und Lithograf vermittelte er sein Wissen zudem durch pädagogische Publikationen. Sein Werk lädt somit zu zwei einander ergänzenden Betrachtungsweisen ein: zunächst die Konstruktion der Landschaft als Ganzes zu erfassen und sich dann ihren Details zu nähern. Zwischen panoramischer Weite und zeichnerischer Präzision verleiht Calame den Alpen eine Präsenz, die über die blosse Beschreibung eines Ortes hinausgeht.


