Firmin Massot · 3 Min. Lesezeit
Firmin Massot: Das Porträt seiner zukünftigen Ehefrau, drei Künstlern zugeschrieben
1793 oder 1794 schaffen Firmin Massot, Wolfgang-Adam Töpffer und Jacques-Laurent Agasse das Porträt der Demoiselles Mégevand. Eine der beiden dargestellten Frauen, Anne-Louise, heiratet Massot 1795.
Veröffentlicht am 19. September 2026
Das Porträt der Demoiselles Mégevand wird Jacques-Laurent Agasse, Wolfgang-Adam Töpffer und Firmin Massot zugeschrieben. Es ist auf 1793 oder 1794 datiert und zeigt Jeanne-Françoise-Élisabeth Mégevand und ihre Schwester Anne-Louise. Der Eintrag des Musée d’art et d’histoire de Genève bezeichnet Letztere als Massots zukünftige Ehefrau, und das Historische Lexikon der Schweiz datiert ihre Heirat auf 1795. Diese Angaben belegen die biografische Verbindung, erlauben jedoch nicht die Behauptung, Massot habe Anne-Louise während einer Porträtsitzung unmittelbar gemalt.
Das Werk stammt aus den ersten Jahren von Massots Laufbahn. 1766 in Genf geboren, tritt er 1778 in die Zeichenschule der Stadt ein, wo er unter anderem von Louis-Ami Arlaud und Jean-Étienne Liotard unterrichtet wird. Nach einer Italienreise 1787–1788 stellt er ab 1789 an den Genfer Salons aus. Das Historische Lexikon der Schweiz datiert seine Zusammenarbeit mit Agasse und Töpffer auf die Jahre zwischen 1792 und 1800.
Das Musée d’art et d’histoire weist darauf hin, dass Massot bei ihren Gemeinschaftsarbeiten die Figuren, Töpffer die Landschaften und Agasse die Tiere übernimmt. Diese Aufteilung verdeutlicht, wie sich ihre Spezialgebiete ergänzen. Sie belegt jedoch weder ein gemeinsames Atelier noch eine gleichzeitige Ausführung oder die genaue Reihenfolge der Eingriffe beim Porträt der Demoiselles Mégevand. Das Werk ist daher als Ergebnis einer Zusammenarbeit zu präsentieren, ohne deren materielle Bedingungen zu rekonstruieren.
Das Gemälde ist ein Ölbild auf Karton und misst 68,5 mal 56,5 Zentimeter. Das Musée d’art et d’histoire bringt Massots Genfer Porträts mit dem englischen Geschmack in Verbindung, betont jedoch zugleich ihre im Allgemeinen bescheideneren Ausmasse gegenüber den grossen britischen Aristokratenporträts. Das Museum führt diesen Grössenunterschied auf die calvinistische Moral zurück, die Prunksucht missbilligt, und erkennt eine ästhetische Verwandtschaft im Weiss der Kleider, in der Helligkeit der Teints sowie in der Verwendung dunkler Hintergründe oder natürlicher Szenerien.
Massot wird zu einem der führenden Genfer Porträtmaler seiner Zeit. Zu seiner Kundschaft gehören Genfer Notabeln und deren Familien sowie ausländische Besucher. Das Musée d’art et d’histoire erwähnt zudem sein Atelier am Fuss der Kathedrale Saint-Pierre, das von Auftraggebern, Schülern und befreundeten Malern besucht wird.
Das Porträt der Demoiselles Mégevand wird im Musée d’art et d’histoire de Genève unter der Inventarnummer 1946-0008 aufbewahrt. Es handelt sich um ein Depositum der Gottfried Keller-Stiftung aus dem Jahr 1946.
Kommentar — Drei Künstlernamen, zwei Modelle und eine biografische Angabe genügen, um dem Gemälde seine besondere Tiefe zu verleihen. Der Vermerk «zukünftige Ehefrau von Firmin Massot» verbindet das Werk mit dem Leben des Malers, ohne zur Rekonstruktion einer sentimentalen Szene oder einer Porträtsitzung zu berechtigen. Die dokumentierte Tatsache bleibt schlichter: 1793 oder 1794 erscheint Anne-Louise Mégevand in einem Porträt, das Massot, Töpffer und Agasse zugeschrieben wird; 1795 heiratet sie Massot.
Quellen und Hintergründe
- Musée d’art et d’histoire de Genève — Beaux-Arts, une collection revisitée ↗
- Musée d’art et d’histoire de Genève — Face à face, l’art du portrait ↗
- Musée d’art et d’histoire de Genève — Voyage en Europe III : au nord et à l’est ↗
- Dictionnaire historique de la Suisse — Genève (canton) ↗
- Dictionnaire historique de la Suisse — Pacte fédéral ↗


