Sophie Taeuber-Arp
Geboren am 19. Januar 1889 in Davos, Grisons, Suisse.
Gestorben am 13. Januar 1943 in Zürich (Schweiz).
Schweizerisch, später französisch · Dada, geometrische Abstraktion, Konstruktivismus und Konkrete Kunst · Textil, Skulptur, Malerei, Design und Architektur
Sophie Taeuber-Arp (Davos, 19. Januar 1889 – Zürich, 13. Januar 1943) gehört zu den grundlegenden Figuren der geometrischen Abstraktion und der europäischen Moderne.
Sie studierte angewandte Kunst in St. Gallen, an der Debschitz-Schule in München und in Hamburg und entwickelte früh eine Praxis, die Kunst, Handwerk, Design und Alltag nicht voneinander trennte. Während des Ersten Weltkriegs kehrte sie in die Schweiz zurück, lernte 1915 Jean Arp kennen und unterrichtete von 1916 bis 1929 Textilentwurf an der Kunstgewerbeschule Zürich.
Taeuber-Arp prägte den Zürcher Dada entscheidend mit. Neben expressionistischem Tanz im Umfeld Rudolf von Labans entstanden Textilien, Stickereien, geometrische Kompositionen, Objekte und Skulpturen. 1918 übertrugen ihre gedrechselten Holzmarionetten zu Carlo Gozzis «König Hirsch» die Bühne in eine konstruktive Formensprache.
Ihre «Dada-Köpfe» von 1918–1920, von denen mehrere im Centre Pompidou erhalten sind, wurden zu Ikonen der Avantgarde, weil sie Skulptur, bemaltes Objekt und dadaistische Bildsprache miteinander verbanden.
Seit der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre erhielt ihr Werk eine architektonische Dimension. In Strassburg gestaltete sie gemeinsam mit Jean Arp und Theo van Doesburg die Aubette, ein Hauptwerk der europäischen Avantgarde. Ab 1929 bei Paris ansässig, vertiefte sie Malerei, Relief und geometrische Abstraktion, war mit Cercle et Carré sowie Abstraction-Création verbunden und wurde 1937 Mitinitiatorin der internationalen Zeitschrift «Plastique / Plastic».
Der Krieg zwang sie zur Flucht aus dem Pariser Raum. Ihr Werk umfasst Textil, Möbel, Marionetten, Malerei, Skulptur, Architektur, Tanz, Grafik und Edition und wird durch ein konsequentes Denken in Rhythmus, Farbe und Struktur zusammengehalten.
Heute besitzt ihr Werk internationalen Rang. Das MoMA führt 36 Werke online; das Kunstmuseum Basel zeigt unter anderem «Équilibre» von 1934. Die grosse Retrospektive «Sophie Taeuber-Arp.
Living Abstraction» wurde 2021–2022 gemeinsam vom Kunstmuseum Basel, der Tate Modern und dem MoMA realisiert. Seit 2025 erarbeitet SIK-ISEA einen neuen Catalogue raisonné, dessen Abschluss für 2029 vorgesehen ist. Auch der Markt spiegelt diese Neubewertung: Im April 2025 erzielte das einzigartige Relief «Relief rond en quatre hauteurs…» von 1936 bei Christie’s Paris rund 3,34 Millionen USD und damit einen neuen Auktionsrekord.


