Jean-Étienne Liotard
Geboren am 22. Dezember 1702 in Genf.
Gestorben am 12. Juni 1789 in Genf.
Schweiz (Genf) · Porträt und Pastell im 18. Jahrhundert · Malerei, Zeichnung und Druckgrafik.
Der Genfer Künstler Jean-Étienne Liotard ist besonders bekannt für seine Pastellporträts. Einen Teil seiner Ausbildung erhielt er in Paris bei Jean-Baptiste Massé. Seine europäische Laufbahn führte ihn nach Rom, Konstantinopel, Wien, London und Holland; später blieb Genf sein wichtigster Wohnort.
In Wien arbeitete Liotard für die kaiserliche Familie und den Adel. Er porträtierte ausserdem angesehene Genfer und Menschen aus deren Umfeld. Seine Tätigkeit verband damit Aufträge an europäischen Höfen mit Bildnissen aus den gesellschaftlichen Kreisen, in denen er sich bewegte.
Das 1754 in Lyon entstandene Frühstück der Familie Lavergne in der National Gallery in London zeigt eine weitere Seite seines Schaffens. Bei dieser Frühstücksszene widmete er Stoffen, Porzellan und Silbergefässen grosse Aufmerksamkeit. Mit Pastell stellte er dabei die unterschiedlichen Eigenschaften und Oberflächen der Materialien dar.
Das Bildnis der Maria Frederike van Reede-Athlone im Getty Museum verdeutlicht sein Interesse am genau beobachteten Gesicht jenseits konventioneller Idealisierung. Zarte Hauttöne und kaum sichtbare Ausführungsspuren tragen zu dieser unmittelbaren Wirkung bei.
Liotard erprobte auch druckgrafische Verfahren. Sein spätes Selbstbildnis in der Fondation Custodia untersucht das Verhältnis von Licht, Schatten und Erkennbarkeit. Der 1781 erschienene Traité des principes et des règles de la peinture führt diese Auseinandersetzung mit den Mitteln der bildlichen Darstellung weiter.


