Alice Bailly
Geboren am 25. Februar 1872 in Genf (Schweiz).
Gestorben am 1. Januar 1938 in Lausanne (Schweiz).
Schweizerisch · Schweizer Moderne · Fauvismus, Kubismus, Futurismus, Dada und Wollbilder
Alice Bailly (Genf, 25. Februar 1872 – Lausanne, 1. Januar 1938) gehört zu den bedeutenden Pionierinnen der Schweizer Moderne.
Nach ihrer Ausbildung in Genf und Studienaufenthalten in Deutschland liess sie sich 1906 in Paris nieder. Die Begegnung mit den Avantgarden veränderte ihre Malerei grundlegend: fauvistische Farbe, kubistische Fragmentierung, Orphismus und futuristische Dynamik verband sie zu einer persönlichen Bildsprache, ohne sich einer einzelnen Schule unterzuordnen. Bereits 1912 würdigte Guillaume Apollinaire ihre Beiträge zu Pariser Salons; 1913 etablierte ihre erste Einzelausstellung sie im internationalen Avantgarde-Milieu.
Der Erste Weltkrieg führte Bailly 1914 in die Schweiz zurück. Zwischen Genf und Zürich bewegte sie sich in den avantgardistischen Kreisen, nahm am Umfeld von Dada teil und schloss sich der Gruppe Das Neue Leben an. In diesen Jahren entstand ihre eigenständigste Leistung: die sogenannten Wollbilder.
Zwischen 1917 und 1923 schuf sie rund fünfzig Werke, in denen Wolle, Seide, Metallpapier, Tinte und textile Träger denselben künstlerischen Rang wie die Malerei erhielten. «Les rythmiciennes» von 1918–1919 im Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne ist ein Schlüsselwerk dieser Werkgruppe.
1923 liess sich Bailly in Lausanne nieder. Ihr weiteres Werk bewegt sich frei zwischen Abstraktion und Figuration, Porträt, Landschaft, Tanz und urbaner Szene. 1926 wurde sie an der Biennale von Venedig ausgezeichnet.
In den 1930er-Jahren übernahm sie monumentale Aufträge, darunter die Ausgestaltung des Foyers des Théâtre municipal in Lausanne, die kurz vor ihrem Tod vollendet wurde.
Heute ist ihre kunsthistorische Bedeutung fest verankert. Das MCBA bewahrt 64 Arbeiten der Künstlerin und widmete ihr 2005–2006 die Retrospektive «Alice Bailly. La fête étrange».
Vom 31. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026 zeigte das Kunsthaus Zürich 22 Werke in zwei Sälen unter dem Titel «Alice Bailly – Pionierin der Moderne», darunter 20 Leihgaben des MCBA.
Diese institutionelle Neubewertung bestätigt die Wollbilder als Hauptwerke der Schweizer Moderne und Bailly als eine Künstlerin, die die Grenze zwischen freier und angewandter Kunst grundlegend in Frage stellte.







