Hans Erni · 3 Min. Lesezeit
Hans Erni: eine Avantgarde-Ausstellung vor dem Bruch
Im Frühjahr 1935 konzipiert Hans Erni in Luzern die internationale Ausstellung «These, Antithese, Synthese», die der Abstraktion und dem Surrealismus gewidmet ist. Von Fachkreisen gewürdigt, vom Publikum jedoch wenig beachtet, findet die Ausstellung kurz vor seinem Bruch mit der Avantgarde und seiner raschen Rückkehr zur Figuration statt.
Veröffentlicht am 29. September 2026
Im Frühjahr 1935 zeigt das Kunstmuseum Luzern unter dem programmatischen Titel «These, Antithese, Synthese» eine internationale Avantgarde-Ausstellung. Ihr Initiator, der junge Luzerner Künstler Hans Erni, beschränkt sich nicht darauf, dort seine Werke zu zeigen: Er trägt in Paris einen Teil der ausgestellten Arbeiten zusammen und entwickelt das Konzept der Ausstellung mit Unterstützung seines geistigen Mentors Konrad Farner.
Die Ausstellung greift eine damals gängige Unterteilung der Avantgarde in «Abstraktion» und «Surrealismus» auf. Erni stellt diesen Gegensatz jedoch in einen historischen und evolutionären Zusammenhang. Seinen eigenen Werken weist er neben jenen von Vassily Kandinsky, Alberto Giacometti und Jean Hélion eine Position zu, die er als zukunftsweisend darstellt.
Der Titel verspricht eine Synthese, doch die dokumentierte Struktur der Ausstellung bleibt bipolar. Ihre Besonderheit liegt in der historischen Lesart, die Erni auf beide Strömungen anwendet, und in der didaktischen Absicht, die bereits in seiner Konzeption deutlich wird. Die Ausstellung versucht so, zeitgenössische, noch wenig vertraute Formen zu ordnen und dem Publikum zu vermitteln.
Die Rezeption offenbart einen deutlichen Gegensatz. In Fachkreisen wird die Ausstellung als kühne Initiative der Gegenwartskunst mit Respekt und Wohlwollen aufgenommen. Beim Publikum findet sie jedoch keinen grossen Anklang.
Dennoch nimmt die Ausstellung einen Platz in der Geschichte der Rezeption des Surrealismus in der Schweiz ein. Laut SIK-ISEA trägt «These, Antithese, Synthese» nach der Zürcher Ausstellung abstrakter und surrealistischer Malerei und Plastik von 1929 dazu bei, diese Strömung im Land vergleichsweise früh bekannt zu machen.
Ernis weiterer Weg muss beschrieben werden, ohne die Ausstellung selbst zu einem Abschied zu erklären. SIK-ISEA hält fest, dass er kurz nach der Ausstellung mit der Avantgarde bricht und rasch zur Figuration zurückkehrt. Das Museum of Modern Art bewahrt zudem ein Blatt auf, das er für das 1941 veröffentlichte Gemeinschaftsportfolio «5 Constructionen + 5 Compositionen» schafft; diese spätere Mitwirkung ist belegt, erlaubt für sich allein jedoch nicht, seine Rückkehr zur Figuration als schrittweise zu bezeichnen.
Während des Zweiten Weltkriegs beauftragt die Schweizerische Nationalbank Hans Erni mit der Gestaltung der 50-, 500- und 1000-Franken-Noten ihrer vierten Serie. Die 50- und 1000-Franken-Noten werden zum Druck gegeben, während die 500-Franken-Note im Probestadium verbleibt. Keine dieser Banknoten gelangt in Umlauf.
Kommentar — Rückblickend schafft die zeitliche Nähe zwischen der Ausstellung von 1935 und dem von SIK-ISEA vermerkten Bruch einen markanten Gegensatz: Erni schreibt sich damals einen Platz in der Zukunft der Avantgarde zu, bevor er sich kurz darauf von ihr entfernt. Dieser Gegensatz erhellt die Episode, macht die Ausstellung selbst jedoch nicht zu einer Abschiedszeremonie.
Quellen und Hintergründe
- SIK-ISEA — « These – Antithese – Synthese ». Avantgarde ausstellen ↗
- SIK-ISEA — Surrealismus in der Schweiz ↗
- SIK-ISEA — Die Anfänge der konstruktiv-konkreten Kunst der Schweiz ↗
- Museum of Modern Art — Hans Erni ↗
- Banque nationale suisse — Anciennes séries de billets ↗
- Banque nationale suisse — Séries historiques de billets de banque ↗




