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François Diday · 5 Min. Lesezeit

Ein Gletscher, für Lausanne reserviert

1841 zeigt Diday in Paris einen Gletscher des Berner Oberlands. Der Kanton Waadt reserviert die grosse Leinwand für sein Museum. Eine Schweizer Landschaft nimmt damit einen öffentlichen Weg von der Bühne des Salons zu den Lausanner Betrachtenden.

Veröffentlicht am 3. Oktober 2026

Der Gletscher kommt über Paris nach Lausanne. 1841 stellt François Diday im Salon eine grosse Ansicht des Berner Oberlands aus. Der Kanton Waadt reserviert sie für sein Museum, und der Erwerb wird 1842 eingetragen. Dieser Weg gibt dem Rosenlauigletscher eine andere Geschichte als die einer blossen Wandererinnerung. Die von einem Maler beobachteten Berge werden zu einer in einer Hauptstadt ausgestellten Komposition und dann zu einem Werk, das für die öffentliche Bewahrung ausgewählt wird. Was die Betrachtenden heute vorfinden, hat bereits mehrfach Ort und Funktion gewechselt.

Die Leinwand misst zwei Meter in der Höhe und zwei Meter neunundfünfzig in der Breite. Ihre Grösse erlaubt der Landschaft, einen weiten Teil unseres Gesichtsfelds einzunehmen. Der Titel, unter dem Diday sie im Salon zeigt, nennt eine Ansicht des Rosenlandgletschers im Kanton Bern. Das Museum identifiziert sie heute als Der Rosenlauigletscher. Diese veränderte Formulierung fügt kein geografisches Rätsel hinzu: Sie erinnert vor allem daran, dass ein Werk mit Titeln und Beschreibungen zirkuliert, die es unterschiedlichen Öffentlichkeiten vorstellen, bevor es in eine dauerhafte Sammlung gelangt.

Beobachtung des Werks — Auf der Reproduktion des MCBA steigt die mittlere Bergform wie eine dunkle Spitze zwischen den Wolken auf. Links erscheint ein verschneiter Bereich zwischen Felswänden und Bäumen. Tannen gliedern die Bildebenen, während sich unten in der Komposition ein heller Wildbach öffnet. Nahe Felsen und Stämme sind stark kontrastiert. Der Blick wandert vom Schaum und den Massen im Vordergrund bis zu den Gipfeln. Der Schnee ist leuchtend, bleibt aber Teil eines Ganzen, in dem die Schattenzonen beträchtliches Gewicht behalten.

Diday hat sein Handwerk in Genf und anschliessend im Pariser Atelier von Antoine-Jean Gros gelernt. Die Fondation Custodia erinnert auch an seine Ölstudien in Italien und in Schweizer Landschaften. Das grosse Gemälde darf also nicht mit einer Leinwand verwechselt werden, die in dieser Form zum Gletscher getragen wurde. Das MCBA beschreibt eine Atelierarbeit, die sich aus Studien vor dem Motiv nährt. Die Beobachtung liefert Formen; die Komposition gibt ihnen eine Beziehung. Die beeindruckende Unermesslichkeit kann mit wesentlich kleineren und leichter wieder aufzugreifenden Malobjekten vorbereitet worden sein.

Dieser Wechsel der Grössenordnungen ist im Bild spürbar. Ein naher Baum bietet einen Massstab für die Bergform, ein weiterer, fernerer verlängert die Entfernung. Der Wildbach gibt eine Richtung; die Wolken öffnen andere. Bei jedem Schritt macht eine teilweise beleuchtete Form sichtbar, was der Schatten zu verschlucken droht. Man kann diesen Aufbau als Weg lesen, ohne einen wirklichen Pfad anzunehmen, dem der Maler oder die Betrachtenden gefolgt wären. Die Leinwand organisiert eine Annäherung an die Berge innerhalb der Grenzen ihrer eigenen Fläche.

Im Salon entspricht diese Art von Landschaft einem Interesse an den Eigenheiten ausländischer nationaler Schulen. Die Beschreibung des MCBA stellt Didays Erfolg in diesen Zusammenhang und erinnert daran, dass Louis-Philippe im Vorjahr eine andere Ansicht des Berner Oberlands erworben hatte. Die Entscheidung des Kantons Waadt fällt also in einen Moment, in dem die Landschaften des Künstlers ausserhalb der Schweiz Aufmerksamkeit gewinnen. Ein Berggemälde kann damals ein Gebiet darstellen und sich zugleich an Zuschauer richten, die es vor allem durch Bilder und seinen Ruf kennen.

Der öffentliche Erwerb verändert anschliessend diese Beziehung. Die Leinwand wird bewahrt, damit man ihr erneut begegnen kann und sie nicht nur während eines Salons schätzt. Die Betrachtenden können zurückkehren, länger den Wald als das Eis ansehen oder einer anderen Richtung als beim ersten Mal folgen. Das Gemälde hat seine Wirkung nicht beendet, sobald es einen Bestimmungsort gefunden hat. Seine institutionelle Geschichte gibt ihm eine neue Dauer, in der eine romantische Komposition auch zum Dokument früherer Darstellungsweisen von Kraft und Entfernung werden kann.

Beim Verlassen des Rosenlauigletschers behält man gern Berge und einen Wasserlauf in Erinnerung. Ihre Geschichte zeigt jedoch eine zweite, viel ruhigere Bewegung: jene der Leinwand selbst. Von den Studien zum grossen Format, vom Salon zur kantonalen Reservierung und dann zur Lausanner Sammlung wurde die Landschaft aufgebaut und weitergegeben. Die Malerei stellt uns vor eine mächtige Natur, erreicht uns aber durch eine Reihe menschlicher Entscheidungen. Der für Lausanne reservierte Gletscher bewahrt damit zwei Bewegungen: die des gemalten Wassers und die eines Werks, das man behalten wollte.

Quellen und Hintergründe

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BildnachweisFrançois Diday · Rivière, arbres, pont et chèvres · Wikimedia Commons · Public domain

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