Ferdinand Hodler · 2 Min. Lesezeit
Ferdinand Hodler: der Krieger auf dem Zürcher Ausstellungsplakat von 1917
Vom 14. Juni bis zum 5. August 1917 zeigt das Kunsthaus Zürich die bis dahin grösste Ferdinand Hodler gewidmete Ausstellung. Der Künstler entwirft das Plakat selbst, auf dem ein kniender Schweizer Krieger die Bildfläche beherrscht. Jede Verbindung zwischen dieser Figur und der Kontroverse um den Rückzug von Marignano beruht jedoch auf Interpretation und nicht auf einer dokumentierten Absicht.
Veröffentlicht am 2. Oktober 2026
Am 14. Juni 1917 eröffnet das Kunsthaus Zürich eine Einzelausstellung von Ferdinand Hodler, die bis zum 5. August zu sehen ist. Zweiundfünfzig Tage lang bilden rund sechshundert Werke, darunter zweihundert Zeichnungen, die bis dahin grösste dem Künstler gewidmete Ausstellung. Die Nacht, Die Lebensmüden, Enttäuschte Seelen und Eurythmie gehören zu den versammelten Werken.
Hodler gestaltet das Ausstellungsplakat selbst. Mit den vom Kunsthaus zitierten Worten eines Zeitgenossen zeigt es einen mächtigen, zum Schlag bereiten Schweizer Krieger, der auf einem Knie kniet. Mit Zürich war Hodler bereits durch den Rückzug von Marignano verbunden, ein Wandgemälde, das er 1900 für die Ruhmeshalle des Schweizerischen Landesmuseums vollendet hatte.
Beobachtender Kommentar — Die kriegerische Gestalt auf dem Plakat kann visuell an die militärische Welt des Rückzugs von Marignano erinnern. Kein angeführtes Dokument belegt jedoch, dass Hodler an dieses Werk oder an die damit verbundene Kontroverse erinnern wollte. Diese hatte lange nachgewirkt: Ein blutbedeckter Hellebardier hatte dem Maler insbesondere den Beinamen «Hodler der Blutige» eingebracht. 1917 begleitet das Plakat eine in der Schweiz viel besprochene Retrospektive, die in einem Artikel der Frankfurter Zeitung als «nationale Offenbarung» bezeichnet wird.
Die Ausstellung vereint mehrere Schaffensperioden Hodlers. Zu den gezeigten Werken gehört Die Nacht, deren Ausstellung 1891 in Genf vom Verwaltungsrat wegen Obszönität verboten worden war, bevor sie in Paris Erfolg hatte. 1918 erhält Hodler das Ehrenbürgerrecht der Republik und des Kantons Genf. Eine weitere Einzelausstellung wird am 11. Mai 1918 in der Galerie Moos in Genf eröffnet und dauert bis zum 30. Juni. Hodler stirbt am 19. Mai 1918 in seiner Wohnung am Quai du Mont-Blanc in Genf.
Quellen und Hintergründe
- Kunsthaus Zürich, « Ferdinand Hodler » — exposition du 14 juin au 5 août 1917 ↗
- Musées d’art et d’histoire de Genève, « De la forme à la couleur : Ferdinand Hodler » ↗
- Musées d’art et d’histoire de Genève, programme Ferdinand Hodler 2018 ↗
- SIK-ISEA Recherche, répertoire des expositions de Ferdinand Hodler ↗


