Paul Camenisch
Geboren 1893.
Gestorben 1970.
Paul Camenisch (1893–1970) gehört zu jener Generation Schweizer Künstler, die dem Expressionismus eine eigene Stimme verliehen hat. In Zürich geboren und in Basel gestorben, beginnt er dennoch mit der Architektur: Von 1912 bis 1916 studiert er an der ETH Zürich, arbeitet auf Baustellen in Deutschland und anschliessend in Basler Büros. Aus dieser Ausbildung entstehen seine ersten Aquarelle, in denen fantastische Bauwerke eher den Charakter von Visionen als von zu realisierenden Projekten annehmen.
Mitte der 1920er-Jahre wird die Malerei zu seinem wichtigsten Betätigungsfeld. Gemeinsam mit Hermann Scherer und Albert Müller gründet Camenisch Rot-Blau, eine für die Rezeption des Expressionismus in der Schweiz entscheidende Gruppe. Sein Aufenthalt bei Ernst Ludwig Kirchner in Davos im Jahr 1926 befruchtet diese Phase des Experimentierens.
In den Tessiner Landschaften und den Figurenbildern dieser Jahre verwandeln die leuchtende Farbe und der energische Gestus das Motiv in eine sinnlich erfahrbare Erfahrung. Das Aargauer Kunsthaus betont, dass Camenisch um 1928 den Einfluss Kirchners allmählich überwindet: Seine Bildsprache lässt sich nicht auf diejenige seines älteren Weggefährten reduzieren.
Nachdem er 1928 an einer zweiten Formation von Rot-Blau beteiligt war, zählt er auch zu den Gründern der Gruppe 33. In den 1930er-Jahren orientiert sich sein Werk an einem Realismus mit intensivierten Farben. Szenen aus dem nahen Lebensumfeld und gesellschaftliche Stellungnahmen bestehen darin nebeneinander; sein politisches Engagement zeigt sich auch ausserhalb des Ateliers, insbesondere in der Hilfe für Frauen und Kinder aus Deutschland ab 1933.
Das Spätwerk öffnet sich zunehmend einem idealistischen Naturalismus, wie das Projekt des Gemäldes Das geliebte Leben zeigt, das Anfang der 1960er-Jahre begonnen wurde. Diese Entwicklung von imaginären Architekturen zu bewohnten Landschaften offenbart einen Maler, der stets aufmerksam für die Spannung zwischen der erlebten und der ersehnten Welt bleibt.