Ernst Ludwig Kirchner
Geboren 1880.
Gestorben 1938.
Von den Strassen Berlins bis zu den Bergen von Davos verleiht Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) der Malerei eine unmittelbar erkennbare Intensität. In seinen Grossstadtszenen vermitteln langgestreckte Gestalten, verengte Perspektiven und dissonante Farben sowohl die Lebendigkeit als auch die Unruhe der Metropole.
In Aschaffenburg geboren, studiert er Architektur in Dresden. Dort gründet er 1905 mit Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergruppe Die Brücke. Das schnelle Zeichnen nach Modellen und das Arbeiten im Freien nähren ihre Suche nach einem von akademischen Konventionen befreiten Ausdruck.
1911 zieht Kirchner nach Berlin. Menschenmengen, Bühnenunterhaltung und Nachtleben eröffnen ihm neue Themen. Auch die Druckgrafik nimmt in seinem Werk einen wesentlichen Platz ein: Seine Blätter übertragen die Energie der Linie und die Spannungen der Komposition in eine besonders unmittelbare Bildsprache.
Der Erste Weltkrieg erschüttert sein Leben. Nach seinem Militärdienst und einer schweren gesundheitlichen Krise folgen mehrere Sanatoriumsaufenthalte, bevor er sich 1918 dauerhaft in Davos niederlässt. Erna Schilling, seine Gefährtin seit den Berliner Jahren, teilt später dieses Leben in der Schweiz.
Die Bergwelt eröffnet ein neues Experimentierfeld: Alpenlandschaften, bäuerliche Arbeit und örtliche Begegnungen bereichern sein Schaffen. In Davos beschäftigt er sich auch mit Fotografie, Bildhauerei und Textilentwürfen. Die Weberin Lise Gujer fertigt nach seinen Entwürfen Wandteppiche; junge Künstler kommen, um bei ihm zu arbeiten.
Ab Mitte der 1920er-Jahre werden seine Formen stärker zusammengefasst und seine Konturen klarer. Diese Erneuerung setzt seine künstlerische Suche fort. Wer beim Betrachten seiner Werke den Rhythmen der Zeichnung und den Beziehungen der Farben folgt, entdeckt, wie er eine beobachtete Szene in eine sinnliche Erfahrung verwandelt.
In Deutschland verurteilt das NS-Regime seine Kunst als «entartet». Kirchner stirbt 1938 durch Suizid bei Davos. Sein Weg verbindet die Geschichte des deutschen Expressionismus mit jener der künstlerischen Moderne in der Schweiz.
