Der in Alba geborene und verstorbene italienische Maler Giuseppe Pinot-Gallizio macht die industrielle Malerei und ihre Ausdehnung im Raum zu einem zentralen Teil seines Werks. Geboren als Giuseppe Gallizio, erwirbt er 1924 an der Universität Turin einen Abschluss in Chemie und Pharmazie und führt anschliessend von 1930 bis 1941 eine Apotheke in Alba. Zu seinem Werdegang gehört auch ein lokales politisches Engagement: Nachdem er im Februar 1944 in den Reihen der Partisanen gekämpft hat, tritt er im Mai 1945 als Mitglied des Nationalen Befreiungskomitees der Gemeindeverwaltung von Alba bei, an deren Arbeit er bis 1960 mitwirkt. Ab 1946 unterrichtet er Kräuterkunde, Aromen und Önologie; die Quelle führt den Ursprung seines Spitznamens «Pinot» auf diese Tätigkeiten zurück.
Seine Begegnung mit dem Maler Piero Simondo im Jahr 1952 markiert seine Einführung in künstlerische Techniken. 1955 begegnet er Asger Jorn in Albisola und gründet anschliessend im September in Alba gemeinsam mit Jorn und Simondo das Experimentelle Laboratorium der Internationalen Bewegung für ein imaginistisches Bauhaus. Zusammen mit Jorn organisiert er im September 1956 in Alba den Ersten Weltkongress der freien Künstler, bei dem Delegierte aus acht Nationen zum Thema «Freie Künste und industrielle Tätigkeit» zusammenkommen. Bei der Gründungsabstimmung der Situationistischen Internationale im Juli 1957 ist er anwesend und enthält sich; anschliessend gehört er der Bewegung bis zu seinem Ausschluss im Mai 1960 an.
Anfang 1958 entwickelt er im Experimentellen Laboratorium von Alba die «industrielle Malerei», die als Infragestellung der Tafelmalerei gedacht ist. Die erste Ausführung ist eine 68 Meter lange und 75 Zentimeter breite Rolle, die im Mai 1958 in der Galerie Notizie in Turin gezeigt wird. Anschliessend produziert und verkauft er diese Malerei meterweise – eine Form, die das Werk vom autonomen Bild hin zu einem abrollbaren Material verschiebt. Im Mai 1959 bedeckt er in der Galerie Drouin in Paris Wände, Decke und Boden mit 145 Metern industrieller Malerei und schafft so die «Caverne de l’anti-matière».
Zu den erwähnten Werken zählen La Caverne de l’anti-matière (1958–1960), Le Notti di cristallo (1960–1962) und La Gibigianna, eine Folge von acht Gemälden aus dem Jahr 1960. Laut einem Auktionskatalog begegnet er der Malerin Soshana Afroyim 1959 in Paris und schafft mit ihr rund zwanzig Werke in seinem Atelier in Alba.
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Dobiaschofsky · Germann
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