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Journal der Galerie

Louis Ducros · 5 Min. Lesezeit

Ein Aquarell, gross genug für ein Gemälde

Für Der Titusbogen klebt Ducros mehrere Papiere auf eine Leinwand und gibt dem Aquarell eine ungewöhnliche Grösse. Die römische Ansicht gelangt später in den von der Waadt erworbenen Bestand, der zu den Ursprüngen des Lausanner Museums beiträgt.

Veröffentlicht am 3. Oktober 2026

Dieses Aquarell wollte nicht klein bleiben. In Der Titusbogen, zwischen 1782 und 1787 geschaffen, gibt Louis Ducros dem Papier mehr als einen Meter Höhe. Um diese Grösse zu erreichen, fügt er mehrere Blätter zusammen und befestigt sie auf einer Leinwand. Das römische Bauwerk wird zum Thema eines Werks, das gerahmt neben Ölgemälden seinen Platz an der Wand einnehmen kann. Die Neuerung liegt nicht bloss in einer virtuosen Farbgebung. Sie beginnt mit einem sehr konkreten materiellen Handgriff: den Träger vergrössern, um die Erfahrung des Blicks zu erweitern.

Das MCBA beschreibt eine Technik, die Feder, Tusche, Aquarell und Gouachehöhungen auf den zusammengesetzten Papieren verbindet. Die Ansicht misst hundertdrei mal siebenundsechzig Zentimeter. Dieses Hochformat gibt dem Bogen eine grosse Präsenz und lässt die Bäume über ihm aufsteigen. Ducros hat damals in Rom eine an Bauwerken und Landschaften interessierte Kundschaft entwickelt. Ein so grosses Werk bietet ihr mehr als eine leicht verstaubare kleine Notiz. Die Ansicht kann in einem Zimmer eine dauerhafte Präsenz werden, mit ihrer Architektur, ihrer Luft und ihren Bewohnern.

Beobachtung des Werks — Auf der Reproduktion des MCBA besetzt der Bogen die Mitte, während nahe Gebäude die Seiten schliessen. Seine grosse Öffnung gibt den Blick auf einen helleren und ferneren Raum frei. Darüber ragen Bäume und Pflanzen über die Steine hinaus; darunter beleben kleine Figuren den Durchgang und seine Umgebung. Der Himmel bleibt in einem oberen Streifen sichtbar. Die Komposition macht das Bauwerk zur Schwelle: Man betrachtet seine Oberfläche, geht dann mit den Augen hindurch und kehrt schliesslich zu den Figuren zurück, die dem Vordergrund einen Massstab geben.

Diese Beziehung zwischen Architektur und Pflanzen unterscheidet die Ansicht von einer blossen Bestandsaufnahme alter Überreste. Das Laub liegt nicht in einem vom Bauwerk getrennten Park. Es erscheint unmittelbar an den Steinen und begleitet deren Unregelmässigkeit. Darin können die Betrachtenden ein Zusammentreffen verschiedener zeitlicher Dimensionen lesen, jener des Bauwerks und jener einer Natur, die in seiner Umgebung wächst. Die Malerei liefert dennoch keinen Restaurierungsbericht über den genauen Zustand jedes Teils. Sie gestaltet eine Rom-Erfahrung, in der die alten Spuren noch zu einem lebendigen Ort gehören.

Die Grösse des Trägers erlaubt, diese Vielfalt zu bewahren, ohne sie auf eine einzige Silhouettenwirkung zu reduzieren. Eine Linie kann die Architektur präzisieren, eine verdünnte Farbe den Himmel öffnen, eine Höhung eine Fläche sichtbarer machen. Das Papier gibt diesen Vorgängen eine andere Präsenz als eine dicke Ölschicht. Doch das Werk verzichtet nicht auf den Anspruch eines Gemäldes. Das MCBA betont, dass Ducros seine grossen Kompositionen verglasen und rahmen liess. Das Zusammensetzen bereitet damit eine Präsentationsform vor: Eine oft mit dem Blatt verbundene Kunst erhält an der Wand volle Eigenständigkeit.

Das Schicksal dieses Werks verbindet sich später mit dem einer Sammlung. Nach seiner Rückkehr nach Lausanne stellt Ducros Schülern seine eigenen Aquarelle und seine Gemälde italienischer Meister zur Verfügung. Nach seinem Tod 1810 wird eine Sammlung gestartet, um die Auflösung des Bestands zu verhindern. 1816 zahlt der Kanton Waadt die Beteiligten aus und erwirbt diesen Bestand. Die Chronologie des MCBA sieht darin den Ursprung einer Sammlung von mehr als sechshundertfünfzig Werken. Der Titusbogen selbst trägt das Erwerbsjahr 1816: Seine römische Geschichte wird Teil einer Lausanner Geschichte.

Dieser ursprüngliche Bestand muss von der später entstehenden Institution unterschieden werden. Das erste Kantonsmuseum wird 1818 in der Akademie eingerichtet; das Musée Arlaud wird 1841 eröffnet. Inzwischen dienen die Werke auch dem Blick jener, die zeichnen lernen. Das grosse Aquarell erhält damit mehrere Gründe für seine Bewahrung: Es vermittelt eine Italienansicht, zeigt eine Technik und gehört zu einem Bestand, den erst Bürger und dann ein Kanton behalten wollten. Sein anspruchsvolles Format bekommt ein zweites Leben als Gegenstand, der wiederholten Begegnungen offensteht.

Heute bleibt das Zusammensetzen der Papiere angesichts der Kraft des dargestellten Bauwerks unauffällig. Doch es hat diese Grösse erst ermöglicht. Wenn man zum Durchgang unter dem Bogen zurückkehrt, kann man an die anderen Übergänge des Werks denken: vom Motiv zum zusammengesetzten Träger, von Rom nach Lausanne, von der Sammlung eines Malers zur öffentlichen Sammlung. Keiner löscht den vorherigen aus. Das vergrösserte Blatt bewahrt seine visuelle Beweglichkeit, und das Gemälde seine Genauigkeit auf Papier. Ducros' Ansicht erinnert damit daran, dass ein Museum auch mit einem Künstler beginnen kann, der seinem Medium mehr Raum gibt.

Quellen und Hintergründe

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BildnachweisLouis Ducros · Vue du Panthéon · Wikimedia Commons · Public domain · Abraham-Louis-Rodolphe Ducros (Moudon, 1748 - Lausanne, 1810), Swiss engraver and watercolourist

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Louis Ducros · Vue du Panthéon · Wikimedia Commons · Public domain · Abraham-Louis-Rodolphe Ducros (Moudon, 1748 - Lausanne, 1810), Swiss engraver and watercolourist

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