Urs Graf
Geboren 1485.
Gestorben 1527.
Urs Graf, um 1485 in Solothurn geboren, ist als Goldschmied, Stecher und Zeichner belegt, dessen grafisches Werk – Holz- und Metalldrucke sowie Zeichnungen – in öffentlichen Sammlungen, insbesondere im Kupferstichkabinett Basel, in bemerkenswerter Weise vertreten ist. Seine dokumentarische Besonderheit liegt unter anderem in der ihm zugeschriebenen Erfindung des «Weissschnitts», einer Art des Holzschnitts mit weissen Linien auf schwarzem Grund, die einen Teil seines technischen Beitrags kennzeichnet, wie er in den Quellen dargestellt wird.
Zunächst von seinem Vater Hugo Graf im Zeichnen und Goldschmiedehandwerk ausgebildet, absolvierte er eine Wanderschaft in Strassburg und setzte 1507 seine Ausbildung beim Goldschmied Lienhart Triblin in Zürich fort. 1509 liess er sich in Basel nieder, wo er für lokale Verleger arbeitete und als Gehilfe des Glasmalers Hans Heinrich Wolleb tätig war, während er gleichzeitig als Goldschmied und grafischer Künstler arbeitete.
Grafs Werdegang verbindet künstlerisches Schaffen und Militärdienst: Die Quellen weisen auf seine Teilnahme als Söldner an mehreren Feldzügen hin – in Italien (1510), in Dijon (1513), bei Marignano (1515) und in Mailand (1521). Sein öffentliches Leben war zudem von gerichtlichen Auseinandersetzungen und mehreren Gefängnisaufenthalten geprägt, die von den Quellen seinem gewalttätigen Temperament zugeschrieben werden.
Ein bedeutender Teil seiner Radierungen und Zeichnungen wird im Kupferstichkabinett Basel aufbewahrt, das insbesondere den Grossteil der bekannten Blätter vereint und deren dokumentarische Erhaltung gewährleistet. Zu seinen Praktiken zählen Reproduktionsstiche nach Martin Schongauer und Albrecht Dürer, die er seiner grafischen Sprache anpasste, sowie durch die Quellen belegte eigenhändige Kompositionen wie La Mort dans un arbre (Holzschnitt, 1524) und Femme violoniste nue avec un vieux fou de Bâle (Holzschnitt, 1523). Der dokumentarische Bestand umfasst Elemente aus Werkstatt, Goldschmiedehandwerk und grafischer Werkstatt, die es ermöglichen, eine Praxis nachzuverfolgen, welche die Techniken des Goldschmiedehandwerks, den Metallstich und den Holzschnitt verband, ohne dass die Quellen weitere, nicht belegte Verallgemeinerungen zulassen.