Théophile-Alexandre Steinlen
Geboren 1859.
Gestorben 1923.
Als Maler, Zeichner, Lithograf, Radierer und Bildhauer wurde er 1901 französischer Staatsbürger. Unter dem Pseudonym Jean Caillou signierte er Karikaturen für die Zeitschrift Les Hommes d’aujourd’hui.
Montmartre bildet einen wesentlichen Horizont seines Schaffens. Sein Plakat von 1896 für die Tournée du Chat noir mit Rodolphe Salis, das im Musée Carnavalet aufbewahrt wird, verdichtet die Vorstellungswelt des Kabaretts zu einem unmittelbar lesbaren Bild: eine schwarze Katze mit einem Heiligenschein, als Lithografie auf Papier ausgeführt. Die Berühmtheit dieser Komposition darf nicht die Vielfalt seiner grafischen Aufträge in Vergessenheit geraten lassen.
Die Bibliothèque nationale de France bewahrt insbesondere Plakate für die Compagnie française des chocolats et des thés (1895) sowie Dokumente im Zusammenhang mit der Welt des Theaters und des Verlagswesens. Steinlen nimmt damit an einer visuellen Kultur teil, in der sich die Kunst auf der Strasse, in der Presse und in der städtischen Freizeitgestaltung verankert.
Neben diesen öffentlichen Bildern offenbaren die vom Musée d’Orsay erfassten Werke eine anhaltende Aufmerksamkeit für die gewöhnlichen Lebensbedingungen: Deux jeunes blanchisseuses, Trois jeunes ouvrières se rendant au travail, La Pierreuse oder Le chariot au cheval tombé. Diese Titel bezeichnen volkstümliche Themen und Berufe, ohne ihre Protagonisten zu blossem pittoreskem Beiwerk zu machen. Das Vorhandensein von Manifestation populaire und Sur les routes du Nord (1915) in den Sammlungen des Musée d’Orsay erinnert zudem an die Ausweitung seines Blicks auf kollektive Ereignisse und die Kriegszeit.
Auch der Bildhauer ist nicht weniger präsent: Maternité, im Musée d’Orsay aufbewahrt, ist eine in Wachs oder Plastilin ausgeführte Skizze, die eine Frau und ein Kind darstellt. Bei Steinlen bilden Plakat, Zeichnung und Skulptur somit ein Korpus, das den Menschen, ihren Gesten und den Spannungen seiner Zeit aufmerksam zugewandt ist.










