Rudolf Zender
Geboren 1901.
Gestorben 1988.
Paris nimmt im Werk von Rudolf Zender (1901–1988) eine herausragende Stellung ein. Die Ufer der Seine, die Strassen und die Dächer der Hauptstadt nähren eine Malerei, die den Wirkungen des Lichts aufmerksam folgt. Für diesen mit Winterthur verbundenen Schweizer Künstler wird die tägliche Auseinandersetzung mit den Orten zu einer Möglichkeit, den Blick immer wieder zu erneuern.
Zender entdeckt Paris 1924. Sein Sohn Jean-Claude Zehnder hat ein präzises Zeugnis dieser Beziehung hinterlassen: Der Maler brach mit seinem Malkasten und seiner Leinwand auf, nahm die Metro und suchte sein Motiv am Flussufer oder in der Stadt. Dieser Bericht zeigt eine Praxis, die auf regelmässiger Arbeit und Konzentration beruht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg organisiert sich sein Leben zwischen Frankreich und der Schweiz. Paris sowie einige Aufenthalte in Italien bieten ihm Zeiträume, die der künstlerischen Arbeit gewidmet sind. In der Schweiz bestimmen Ausstellungen, der Austausch mit Sammlerinnen und Sammlern sowie die lithografische Arbeit im Atelier Wolfsberg in Zürich seinen Tätigkeitsrhythmus.
Sein Werdegang ist auch in das künstlerische Leben Winterthurs eingebettet. Das städtische Museum widmet ihm 1934 eine bedeutende Ausstellung und zeigt ihn 1957 gemeinsam mit dem Bildhauer Otto Charles Bänninger. Spätere Ehrungen, insbesondere anlässlich seines hundertsten Geburtstags, bezeugen die Kontinuität dieser Verankerung.
1974 malt Zender noch immer grosse Ansichten über die Pariser Dächer. In seinen letzten Jahren in die Schweiz zurückgekehrt, setzt er seine Arbeit mit Zürcher Landschaften und in Ascona entstandenen Aquarellen fort.
Um in diese Welt einzutreten, kann man mit einem bescheidenen Element beginnen: einer Fassade, einem Quai, einer Öffnung zwischen den Gebäuden. Dann lässt sich verfolgen, wie die Farben das Ganze ordnen. Das vertraute Motiv wird so zum Ausgangspunkt einer Erfahrung der Malerei, die den Orten ebenso aufmerksam gilt wie ihrer Atmosphäre.

