Karl Girardet
Geboren 1813.
Gestorben 1871.
Sein Werk verbindet die Pariser Kunstszene mit den Schweizer Landschaften und vereint die Freude am Erzählen mit einer aufmerksamen Beobachtung der Orte und menschlichen Tätigkeiten.
Als Sohn von Charles Samuel Girardet und Bruder von Édouard gehörte er einer Künstlerfamilie an. Seit seiner Kindheit in Paris ansässig, wurde er bei Léon Cogniet ausgebildet. Zunächst Genremaler, etablierte er sich später in der Historienmalerei: Assemblée de protestants surprise par des troupes catholiques brachte ihm am Salon von 1842 eine Medaille ein.
Im selben Jahr bereicherte eine Reise nach Ägypten mit seinem Bruder sein Repertoire um orientalisierende Sujets.
Girardet wurde zum offiziellen Hofmaler Louis-Philippes. Nach dem Sturz der Monarchie schloss er sich seinem Bruder in Brienz an und beteiligte sich am lokalen Kunstleben. Ab 1850 wieder in Frankreich, setzte er seine Tätigkeit als Maler und Illustrator fort; an der Weltausstellung von 1855 erhielt er eine Medaille erster Klasse.
Seine Landschaften eröffnen einen besonders sensiblen Zugang zu seiner Kunst. In Clocher de Weesen, das im Musée des Beaux-Arts de Reims aufbewahrt wird, führt ein Weg zu einer Kirche am Ufer des Walensees. Der Nebel und die Berge verleihen der Ansicht eine romantische Stimmung.
Les Faucheurs, ebenfalls in dieser Sammlung, stellt die Arbeit der Bauern in eine gestufte Landschaft: Die Bewegungen, der Karren und die Farbakzente der Kleidung beleben den ländlichen Raum.
Der Louvre bewahrt ausserdem ein Skizzenalbum mit in Brienz ausgeführten Schweizer Landschaften und Figuren. Diese Blätter zeigen, wie eng die Untersuchung des Alltags mit Girardets erzählerischen Ambitionen verbunden ist. Um sein Werk zu entdecken, kann man diesem Übergang zwischen der grossen Geschichte und den bescheidenen Szenen folgen: In beiden Fällen ordnet die Zeichnung den Raum und weist den Figuren ihren Platz in einer Erzählung zu.

