Karl Anneler
Geboren 1886.
Gestorben 1957.
Karl Anneler (1886–1957) machte die Bergwelt zu einem Ort der Malerei und der Begegnung. In Bern geboren, bildete er sich unter anderem in Coburg und München aus, doch in den Alpen fand er seine bevorzugten Motive. Nach einem ersten Aufenthalt im Lötschental im Jahr 1907 kehrte dieser Freiluftmaler immer wieder in das Walliser Tal zurück.
Die Landschaftsformen, die Dörfer und ihre Bewohner prägen ein Werk, das die Landschaft nicht vom darin stattfindenden Leben trennt.
Seine Motive reichen von alpinen Ansichten über Porträts, Figurenszenen und Stillleben. Ein zu seinen Lebzeiten vom Schweizer Alpen-Club veröffentlichter Text hebt die Wärme seiner Palette und die Aufmerksamkeit hervor, die er der Harmonie der Farbtöne widmete. Die Farbe vermittelt so eine sinnliche Erfahrung des Ortes, die über die blosse topografische Bestandsaufnahme hinausgeht.
In Fastnachtszeit, einem im Lötschentaler Museum aufbewahrten Gemälde, stehen drei kostümierte Personen in einer Strasse von Blatten. Anneler wählt eine beinahe intime Karnevalsszene: Die Figuren treten miteinander in einen Dialog, anstatt für den Betrachter zu posieren. Die Lichtwirkungen lassen die Atmosphäre eines festlichen Nachmittags gegenwärtig werden, während die Einzelheiten der Kleidung die Spuren lokaler Bräuche bewahren.
Der Künstler arbeitete auch mit seiner Schwester Hedwig Anneler an dem 1917 erschienenen Buch Lötschen. Dafür fertigte er rund zweihundert Federzeichnungen an. Diese Zusammenarbeit zwischen Beobachtung, Bild und der Erforschung von Traditionen stellt ein wichtiges Zeugnis über das Tal zu Beginn des 20.
Jahrhunderts dar. Sie erhellt auch seine Malerei: Bei Anneler sind die Berge keine isolierte Kulisse und die Bewohner keine blossen pittoresken Silhouetten. Seine Verbundenheit mit dem Lötschental beruht auf der Beziehung, die er zu einem Landstrich und zu den Menschen geknüpft hat, die ihm seine Gestalt verliehen.
