Jean-Pierre Saint-Ours
Geboren am 4. April 1752 in Genf.
Gestorben am 6. April 1809 in Genf.
Schweiz · Klassizismus · Historienmalerei, Porträt und Zeichnung.
Jean-Pierre Saint-Ours wuchs im Umfeld der Genfer Fabrique auf. Sein Vater, ein Emailmaler, unterrichtete ihn im Zeichnen. In Paris trat er in das Atelier von Joseph-Marie Vien ein.
Die Auseinandersetzung mit der Antike und klar gegliederte Kompositionen prägten seine klassizistische Ausbildung.
Während seines Aufenthalts in Rom entstanden grosse Historienbilder, darunter Le Choix des enfants de Sparte und Les Jeux olympiques. Nach seiner Rückkehr nach Genf 1792 beteiligte er sich am revolutionären politischen Leben. Daneben porträtierte er Angehörige des gebildeten Genfer Bürgertums.
Der Zyklus Tremblement de terre entfaltet eine andere dramatische Intensität. Das Musée d’art et d’histoire verbindet diese Bilder mit dem sizilianischen Erdbeben von 1783 und der Gewalt der Revolution. Die 1799 vollendete monumentale Fassung zeigt einstürzende Architektur und Menschen, die einer Katastrophe ausgesetzt sind.
Seine Zeichnungen erschliessen die vorbereitende Arbeit. Der Louvre bewahrt eine um 1782–1790 entstandene Étude de jeunes guerriers: schwarze Kreide und weisse Höhungen auf grauem Papier. Das Blatt bezeugt, wie sorgfältig einzelne Figuren vor ihrer Einbindung in eine grössere Komposition untersucht wurden.
Zum Bestand desselben Museums gehört eine Allegorie von Krieg und Gottlosigkeit, die einen alten Mann, eine Frau und ein Kind niedertrampeln, um 1802. In diesem nicht als Gemälde ausgeführten Entwurf verkörpern allegorische Gestalten die Verheerungen des Krieges. Die gelehrte Bildsprache verbindet sich dabei mit einer Auseinandersetzung mit politischer Gewalt.