Gottardo Segantini
Geboren 1882.
Gestorben 1974.
Gottardo Segantini (1882–1974) verortet sein Werk in den Landschaften des Engadins. Gipfel, Himmel und Bäume bilden ein vertrautes Vokabular, das er als Maler und als Grafiker erforscht. Sein Werdegang steht in einem ständigen Dialog mit jenem seines Vaters Giovanni Segantini, entwickelt zugleich aber einen persönlichen Ausdruck der alpinen Welt.
Gottardo wurde in Pusiano geboren und war das älteste der vier Kinder von Giovanni und Bice Bugatti. 1894 liess sich die Familie im Chalet Kuoni in Maloja nieder. Dieser Ort wurde zu seinem dauerhaften Lebensmittelpunkt.
Seine künstlerische Ausbildung erfolgte durch das Vorbild des Vaters, eine Ausbildung in Mailand und den Unterricht beim Zürcher Hermann Gattiker.
Der Berg ist für ihn ebenso sehr ein gelebter Lebensraum wie ein malerisches Sujet. Die Segantini Association in Maloja hebt in ihren vergleichenden Präsentationen von Vater und Sohn sowohl die Kontinuität der Motive als auch die Entwicklung hin zu einer expressiveren Sprache bei Gottardo hervor. Diese Nähe macht die Beobachtung der Unterschiede in Rhythmus und Bildaufbau zwischen ihren Werken besonders interessant.
Die Druckgrafik eröffnet einen weiteren Zugang zu seinem Werk. Er schuf eigene Kompositionen, aber auch Druckgrafiken nach Gemälden Giovannis. Die Galleria Civica Segantini d’Arco bewahrt insbesondere eine Gruppe von sechs Radierungen mit dem Titel Engadina aus dem Jahr 1914.
Das Museum der Princeton University besitzt ein ebenfalls von 1914 stammendes Porträt Giovannis, das Radierung und Aquatinta verbindet.
Gottardo setzte diese Tätigkeit der Vermittlung durch das Schreiben fort, indem er seinem Vater eine Biografie widmete. Sein Werk ermöglicht es somit, Schöpfung, Interpretation und Erinnerung an ein künstlerisches Erbe gemeinsam zu betrachten.
Um seine Landschaften zu entdecken, kann man dem Umriss eines Berges, den Beziehungen zwischen den Bildebenen und anschliessend den Veränderungen des Himmels folgen. In den Druckgrafiken verweilt der Blick bei den Tonwerten und Linien. Diese komplementären Zugänge laden dazu ein, Gottardo aufgrund seiner eigenen Entscheidungen zu betrachten – innerhalb einer Familiengeschichte, die zutiefst mit den Alpen verbunden ist.