Franz Eggenschwiler
Geboren 1930.
Gestorben 2000.
Franz Eggenschwiler (1930–2000) machte das Sammeln und Auflesen zu einer Methode des Schaffens. Auf Deponien, in verlassenen Fabriken, Flussbetten oder Geröllhalden sammelte er zurückgelassene Gegenstände, ordnete sie und stellte sie in neue Beziehungen zueinander. Eine Schraube, ein landwirtschaftliches Werkzeug oder ein Stein verlor seine ursprüngliche Funktion und trat in ein neues Gefüge aus Formen und Zeichen ein.
Diese Aufmerksamkeit für das Weggeworfene durchzieht ein Werk, das Skulptur, Assemblage, Druckgrafik, Zeichnung und Schmuck miteinander verbindet.
In Solothurn geboren, erlernte Eggenschwiler den Beruf des Glasmalers und studierte in Bern, unter anderem bei Max von Mühlenen. Von 1955 bis 1971 arbeitete er gemeinsam mit Peter Meier, Konrad Vetter und Robert Wälti in der Berner Arbeitsgemeinschaft, einer für grafische Experimente offenen Gemeinschaftswerkstatt. Seine frühen Kompositionen hinterfragen die geometrische Ordnung; ab Ende der 1960er-Jahre nehmen gefundene Gegenstände und Abfälle in seinen Assemblagen zunehmend Raum ein.
Er erkundete auch den Offsetdruck und den Holzschnitt sowie kleine Zeichnungen, die im Verlauf von Telefongesprächen entstanden. Der Zufall liefert einen Impuls, doch Auswahl, Montage und Wiederholung verleihen den Fragmenten ihre Struktur.
Das monumentale Relief mit Fächern «Mensch, Sicherheit und Gefahr», das sich in der Kunstsammlung der Mobiliar befindet, macht diese Vorgehensweise besonders anschaulich. In einer Form, die an die Karte der Schweiz erinnert, stehen Fundstücke neben eigens für das Werk gefertigten Elementen: Zeichen, Figuren und Materialien fügen sich zu einer üppigen Landschaft zwischen Bedrohung und Schutz. Das Inventar der Sammlung nennt als Technik Mischtechnik und gibt das Format mit 280 × 500 cm an.
Bei Eggenschwiler ist der wiedergewonnene Gegenstand niemals blosse Kuriosität: Aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und in neue Beziehungen gestellt, eröffnet er eine neue Lesart der alltäglichen Welt.