Ferdinand Gehr
Ferdinand Gehr (Niederglatt, 1896 – Altstätten, 1996) entwickelt eine Kunst, in der christliche Themen, Landschaft und menschliche Figur in der Suche nach wesentlichen Formen zusammenfinden. Seine Malerei lädt dazu ein, der Ausdruckskraft von Farben und Zeichen über die blosse Identifizierung eines Motivs hinaus zu folgen. Dieser Ansatz prägt sowohl seine Arbeiten auf Papier als auch seine Eingriffe in die Architektur.
Sein Werdegang beginnt im Textilbereich: In Flawil arbeitet er als Zeichner für Stickereien und studiert anschliessend in St. Gallen bei August Wanner. Im Winter 1922–1923 vertieft er in Florenz seine Freskotechnik und besucht danach das Atelier von André Lhote in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz eröffnet er 1924 sein erstes Atelier in Niederglatt.
Ab den 1930er-Jahren nehmen Aufträge für Wandmalereien und Glasfenster einen wichtigen Platz in seiner Tätigkeit ein. Gehr trägt mit einer Vereinfachung der Formen, die figurative Bezüge bewahrt, zur Erneuerung der religiösen Kunst bei. Diese Freiheit ruft unterschiedliche Reaktionen hervor: Die Anerkennung seiner Arbeit geht mit Kontroversen um bestimmte sakrale Werke einher.
Die Spannweite seines Schaffens zeigt sich auch in seinen Landschaften in Tempera, seinen Aquarellen und seinen farbigen Holzschnitten. So vereint der Ausstellungskatalog Arp Gehr Matisse so unterschiedliche Sujets wie Geranien, eine Erosfigur oder das Rheintal. Er dokumentiert ausserdem eine im Kunstmuseum Olten aufbewahrte Landschaft vom Beginn des Frühlings 1963 sowie mehrere religiöse Kompositionen aus dem Kunstmuseum St.Gallen.
Diese 2017 in St. Gallen präsentierte Ausstellung stellte sein Werk in einen Dialog mit Hans Arp und Henri Matisse. Sie lud dazu ein, hinter dem Ruf des Kirchen- und Blumenmalers einen Künstler zu entdecken, der sich mit den Forschungen der Moderne auseinandersetzte. Gehr zu betrachten wird so zu einer Erkundung der Beziehungen zwischen Natur, Spiritualität und malerischer Erfindung.










