Edmond-Jean de Pury
Geboren am 6. März 1845 in Neuchâtel (Schweiz).
Gestorben am 7. November 1911 in Lausanne (Schweiz).
Schweizerisch · Schweizer Malerei des 19. Jahrhunderts · Porträt, Genrebild und italienische Sujets

Edmond-Jean de Pury (Neuenburg, 6. März 1845 – Lausanne, 7. November 1911) war ein Schweizer Maler, Grafiker und Porträtist, dessen Werk die Pariser akademische Tradition mit einer sehr persönlichen Sicht auf Italien verbindet.
Als Angehöriger der Familie de Pury erhielt er seine Ausbildung in Paris im Atelier von Charles Gleyre, einem wichtigen Zentrum der schweizerischen und französischen Malerei des 19. Jahrhunderts. Ein Gruppenbild der Gleyre-Schüler im Petit Palais erinnert an seine Zugehörigkeit zu diesem Kreis.
Ab 1869 setzte er seine Ausbildung in Florenz fort und unternahm zahlreiche Aufenthalte in Italien.
Rom, Neapel, Capri, Venedig und besonders Chioggia wurden zu den zentralen Schauplätzen seines Werks. Der Tod seines jungen Sohnes 1881 prägte sein Leben tief; seit 1885 verbrachte de Pury regelmässig die Sommer in Chioggia und entwickelte dort einen umfangreichen Bildkreis mit Volksfiguren, Fischern, Kindern, jungen Frauen und Alltagsszenen. Seine Malerei verbindet präzise Porträtbeobachtung mit grosser Aufmerksamkeit für Kleidung, Gestik und das Licht der Lagune.
«Rosaire (Chioggia)» von 1892, heute als Depot der Kunstsammlung des Bundes im Musée des Beaux-Arts Le Locle, ist ein Hauptwerk dieser Phase in öffentlichem Besitz.
Gleichzeitig blieb de Pury ein gefragter Porträtist. Um 1882 malte er Richard Wagner während eines Aufenthalts des Komponisten in Neapel. Seine Porträts und Genrebilder fanden auch über illustrierte Zeitschriften weite Verbreitung.
1889 erhielt er an der Pariser Weltausstellung eine Medaille und damit eine wichtige internationale Anerkennung.
Am Kunstmarkt stehen grossformatige italienische Motive und ausgearbeitete Porträts im Vordergrund. 2007 erzielte «Barque avec deux jeunes filles» bei Sotheby’s Zürich CHF 22’500; im selben Jahr wurde «Fischerjunge in einem Boot mit der Silhouette von Venedig im Hintergrund», eine Leinwand von 115,4 × 151,2 cm, bei Koller für CHF 60’000 versteigert und bildet einen wichtigen Marktwert. «Les pêcheurs sur le lac» erreichte 2011 bei Christie’s Zürich CHF 26’400.
Diese Ergebnisse zeigen die deutliche Prämie für ambitionierte venezianische Kompositionen gegenüber kleineren Studien und Nebenwerken.
