Alfred Hofkunst
Geboren 1942.
Gestorben 2004.
Er machte die Zeichnung zu einem Instrument, das die sichtbare Welt vermessen und anschliessend über sie hinausgehen konnte. Nach einer kurzen Ausbildung zum Typografen wurde er in Zürich zum Theatermaler ausgebildet und arbeitete zunächst in Bern für die Bühne. Diese Erfahrung mit Bühnenbild und Illusion nährt ein Werk, in dem gewöhnliche Gegenstände zu den Akteuren eines erstaunlichen Spiels mit den Massstäben werden.
Ab Ende der 1960er-Jahre treibt Hofkunst die Beobachtung bis zu einer beinahe irritierenden Präzision. Die Linie gibt eine Materialität, Abnutzung, bisweilen auch ein Detail wieder, das dem Auge entgeht. Doch dieser Realismus ist niemals blosse Demonstration virtuoser Fertigkeit: Indem er die Dinge beharrlich neu zeichnet, stellt er die Grenze zwischen ihrer Präsenz und ihrem Bild infrage.
In seinem Atelier in Montet wird dies besonders eindrücklich erfahrbar. Für die documenta 6 in Cassel fertigte er 1977 eine lebensgrosse Reproduktion davon an, vom Boden bis zur Decke, vollständig mit Bleistift in Grau und Farbe. Selbst eine tote Fliege findet darin ihren Platz.
Das Musée Tinguely rückte dieses Werk 2007 ins Zentrum einer Ausstellung.
Anschliessend erweitert Hofkunst sein Tätigkeitsfeld: grossformatige Arbeiten, in verschiedenen Orten eingerichtete Ateliers, Gegenstände und Projekte, die von einem gern provozierenden Humor durchzogen sind. Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl nahestehend, teilt er mit ihnen die Vorliebe für Unternehmungen, die den üblichen Rahmen des Kunstwerks überschreiten. Er arbeitet auch mit der Druckgrafik, wie die Radierung Bundle of Straw (1974) im Museum of Modern Art in New York bezeugt.
Vom Strohballen bis zu den Wänden eines Ateliers lädt er dazu ein, das, was die Gewohnheit unsichtbar werden lässt, aufs Neue zu betrachten. Seine Akribie und sein Masslosigkeit finden in dieser Frage zusammen: Ab welchem Moment wird ein Bild zu einem Ort, den zu betreten man zu können glaubt?