Adolf Dietrich
Als Autodidakt arbeitet er zunächst als Arbeiter in einer Strickwarenfabrik und später als Tagelöhner; malen kann er nur in seiner Freizeit. Sein ganzes Leben verbringt er im Elternhaus, wo sein Arbeitszimmer heute von der Thurgauischen Kunstgesellschaft erhalten wird. Diese Nähe zu den Orten, die er malt, prägt ein eigenständiges Werk ohne akademische Ausbildung und ohne dauerhaften Ortswechsel in die grossen Kunstzentren.
Seine Motive stammen aus seiner unmittelbaren Umgebung: der See und die Landschaften rund um Berlingen, Tiere, Blumen, das Dorf, seine Angehörigen und die Kinder aus der Nachbarschaft. Mit Skizzenbuch und Bleistift durchstreift er immer wieder dieselben Wege und entwickelt anschliessend in seinem Atelier ausgehend von seinen Zeichnungen und seinem visuellen Gedächtnis Bilder von bemerkenswerter Akribie. Die Kunsthalle Mannheim hebt im Zusammenhang mit Garten im Sommer (1925) seine Liebe zum Detail und die lebendige Art hervor, in der er einen vertrauten Ort in seinen jahreszeitlichen Variationen wiedergibt.
Die beschreibende Präzision verbindet sich mit klaren Farben und sorgfältig geordneten Kompositionen.
Dietrich wird häufig der naiven Malerei und der Neuen Sachlichkeit zugeordnet. Diese Kategorien erhellen bestimmte Aspekte seines Schaffens, reichen jedoch nicht aus, um dessen Eigenständigkeit zusammenzufassen. Er bezeichnet sich selbst als «Meistermaler» und greift bisweilen eigene Motive wieder auf, wobei er sein visuelles Vokabular mit grosser Konsequenz entwickelt.
Nach mehreren regionalen Ausstellungen lässt der Kunsthändler Herbert Tannenbaum ihn ab 1919 an einer Ausstellung der Kunsthalle Mannheim teilnehmen. 1925 zeigt diese Institution vierzig seiner Bilder: Achtunddreissig werden verkauft, was einen wichtigen Schritt in seiner Anerkennung markiert. 1937 erweitert seine Teilnahme an der Ausstellung «Les maîtres populaires de la réalité» seinen internationalen Bekanntheitsgrad noch weiter.
Sein erhaltenes Atelier und der im Kunstmuseum Thurgau bewahrte Bestand seines Werks ermöglichen es heute, seine Bilder, seine Skizzenbücher und seinen Arbeitsprozess gemeinsam zu betrachten.









