Rudolf Mumprecht
Geboren 1918.
Gestorben 2019.
Rudolf Mumprecht (1918–2019) lädt dazu ein, die Wörter ebenso sehr zu betrachten wie zu lesen. In seinen Werken bewahrt ein Buchstabe seine Bedeutung und wird zugleich zu Linie, Rhythmus oder Präsenz im Raum. Die Schrift eröffnet so ein Begegnungsfeld zwischen Poesie, Zeichnung und Malerei, in dem der Humor häufig die Reflexion begleitet.
In Basel geboren und in Bern aufgewachsen, absolvierte Mumprecht zunächst eine Ausbildung zum Kartografen, bevor er seine künstlerische Praxis als Autodidakt entwickelte. Seine figurativen Anfänge wichen allmählich einer gestischen Abstraktion und später einer der Kalligrafie nahestehenden Sprache. Seine Aufenthalte in Frankreich, insbesondere in Paris und Versailles, markieren Etappen dieser Suche, die er anschliessend in Köniz fortsetzte.
Die Werke Rendre prendre comprendre und sichtbar sichtwahr, beide von 1979 und in der Sammlung der Mobiliar, zeigen, wie Sprache zu bildnerischer Materie werden kann. Klangliche Annäherungen, Wiederholungen und der Wechsel zwischen den Sprachen verschieben die Lektüre. Das Wort begnügt sich nicht mehr damit, einen Gegenstand zu benennen: Es wirkt am Aufbau des Bildes mit.
Auch die zwölf Natures mortes von 1983 zeugen von der Beständigkeit einer leichten und erfinderischen Zeichnung.
Die Druckgrafik bildet einen weiteren wichtigen Bereich seines Schaffens. Die Stadt Locarno bewahrt eine bedeutende Schenkung seines druckgrafischen Werks, die unter anderem 1998 in der Casa Rusca präsentiert wurde. 2008 erwies sie ihm anlässlich seines neunzigsten Geburtstags in Casorella ebenfalls die Ehre und zeigte eine Auswahl von Kupferstichen aus diesem Bestand.
Um sich Mumprecht zu nähern, kann man zunächst der Bewegung einer Inschrift folgen, bevor man nach ihrer Bedeutung sucht. Wo hält der Blick inne? Wie verändert ein Zwischenraum oder eine Wiederholung den Satz?
Diese Aufmerksamkeit für das Detail lässt Bilder entdecken, die sich in der Zeit des Lesens entfalten.
