Rudolf Müller
Geboren 1802.
Gestorben 1885.
Er gehört jener Generation Schweizer Landschaftsmaler an, die in Italien ein Feld der Beobachtung und der Erfindung fand. Als Aquarellist, Lithograf und Maler arbeitete er in Basel, Neapel und Rom. Sein Blick gilt den mediterranen Schauplätzen: Küste, Reliefs und antike Überreste werden darin zu Elementen eines sorgfältig komponierten Bildes.
Das Kunsthaus Zürich bewahrt seine Ruines du temple de Zeus près d’Athènes, ein Ölgemälde auf Leinwand aus dem Jahr 1849, das 1898 durch das Vermächtnis Schulthess-von Meiss in die Sammlung gelangte. Dieser Titel erinnert daran, dass Müllers Horizont über die italienische Halbinsel hinausreicht. Das Museum erwarb 2020 zudem eine Zeichnung, die den Golf von Sorrent und die Insel Capri darstellt und im Kontext seiner Schweizer Romantik-Sammlungen präsentiert wird.
Der Kontrast zwischen diesen Orten – der eine von der Antike geprägt, der andere vom Licht der Küste – vermittelt einen Eindruck von der topografischen Bandbreite seines Repertoires.
Müllers Name ist mit jenem des Basler Malers Friedrich Horner verbunden: Das Kunsthaus führt unter ihren beiden Namen eine bewaldete Landschaft bei Neapel. Diese gemeinsame Zuschreibung lädt dazu ein, die Zirkulation von Motiven und Arbeitsweisen unter reisenden Künstlern zu betrachten und zugleich ihre jeweiligen Werke voneinander zu unterscheiden. Die Schweizerische Nationalbibliothek bewahrt Blätter Müllers in der Sammlung Gugelmann.
Durch Zeichnung, Aquarell und Malerei nimmt sein Werk an jener Landschaftskultur des 19. Jahrhunderts teil, in der die Genauigkeit des Ortes mit der romantischen Komposition in Dialog tritt.
