Lise Gujer
Geboren 1893.
Gestorben 1967.
Schweiz · Textilkunst · Weberei und Bildteppiche im Dialog mit dem Expressionismus.
Lise Gujer war eine Schweizer Textilkünstlerin im künstlerischen Umfeld von Davos. Ihre Begegnung mit Ernst Ludwig Kirchner zu Beginn der 1920er-Jahre führte zu einer Zusammenarbeit, in der das Weben an den bildnerischen Untersuchungen des Malers teilhatte.
Ihre Bildteppiche verliehen Kirchners gezeichneten Kompositionen eine textile Gestalt. Das Brücke-Museum betont ihre Farben und ihren komplexen Aufbau: Berge, Tiere, menschliche Figuren und Tanzszenen finden darin ihren Platz. Es hebt auch Gujers eigene schöpferische Initiative innerhalb der Zusammenarbeit hervor.
Das Städel Museum bewahrt Das Leben, einen Wollteppich von 1928–1932, der beiden Künstlern gemeinsam zugeschrieben wird. Ursprünglich als Türvorhang gedacht, besass er zunächst eine mittlere Öffnung. Diese wurde 1932 geschlossen, wodurch ein Wandteppich entstand.
Die ebenfalls im Museum erhaltene Vorzeichnung ist dagegen ein Werk Kirchners. Diese Unterscheidung verdeutlicht die jeweiligen Aufgaben des Entwerfers und der Weberin. Der Museumstext nennt mehr als dreissig Textilarbeiten Gujers nach seinen Kompositionen.
Gujer begann 1922 auf einem alten Webstuhl zu arbeiten. Nach einer Unterbrechung nahm sie Anfang der 1950er-Jahre die Produktion anhand der erhaltenen Vorlagen wieder auf. Das Bündner Kunstmuseum widmete ihrem Werk 2024 eine Ausstellung.