Hans Krüsi
Geboren 1920.
Gestorben 1995.
Eine Kuh, eine Tanne, ein Stück Karton: Hans Krüsi verwandelt vertraute Motive und alltägliche Materialien in ein persönliches Universum. Der 1920 geborene und 1995 verstorbene Schweizer Autodidakt schöpft aus seinen Erinnerungen an das Appenzellische und experimentiert zugleich frei mit Bildern, Gegenständen und Klängen.
1948 liess er sich in St. Gallen nieder und verdiente seinen Lebensunterhalt lange Zeit mit dem Verkauf von Blumen, unter anderem an der Zürcher Bahnhofstrasse. Um 1975 begann er, seiner Kundschaft kleine Gemälde anzubieten, die häufig ungefähr das Format einer Postkarte hatten. Die Ausstellungen von 1981 markierten einen entscheidenden Schritt in seiner Anerkennung und ermöglichten es ihm, sich stärker dem künstlerischen Schaffen zu widmen.
Alpenlandschaften, Chalets, Bäume und Nutztiere bilden sein Repertoire. Die leuchtenden Farben und die Unterteilungen des Bildes verleihen diesen Sujets einen besonderen Rhythmus. Krüsi zeichnet und malt auf wiederverwendetem Papier, Säcken oder Milchverpackungen.
So bewahrt der Bildträger seine konkrete Präsenz und trägt zur Erfindung des Werks bei. Schablonen, Fotokopien und Collagen ermöglichen es ihm, die Motive aufzunehmen und dabei zu verändern.
Seine Lust am Experimentieren geht über die bemalte Oberfläche hinaus. Er nimmt Geräusche in der Natur auf, stellt Gegenstände zusammen und entwirft Kurbelvorrichtungen, in denen Bänder mit Kühen vorbeilaufen. 1992 schuf er neun Tafeln für einen Fahrradwagen der Appenzeller Bahnen: Seine Landschaften hielten damit Einzug in den Alltag der Reisenden.
Krüsi ist unter anderem in den Sammlungen des Art Brut in Lausanne vertreten und lädt dazu ein, das scheinbar Unscheinbare mit anderen Augen zu betrachten. Man kann die Wiederholung eines Tiers verfolgen, eine Farbvariation beobachten oder die Spur einer Verpackung entdecken. Diese Details zeigen ein Werk, das auf Wiederaufnahme und Metamorphose beruht und in dem die Erinnerungen an die ländliche Welt auf eine stets aktive materielle Neugier treffen.









