Emil Cardinaux
Geboren 1877.
Gestorben 1936.
Mit seinem Plakat Zermatt von 1908 verwandelt Emil Cardinaux (1877–1936) einen Berg in ein unmittelbar einprägsames Bild. Das Matterhorn nimmt den Raum mit einer Monumentalität ein, die ebenso sehr der Vereinfachung der Formen wie dem Sujet selbst zu verdanken ist. Dieses Werk stellt einen wesentlichen Orientierungspunkt in der Entstehung des modernen Plakats in der Schweiz dar.
In Bern geboren, beginnt Cardinaux ein Rechtsstudium und besucht zugleich den Kunstunterricht von Paul Volmar. 1898 wird sein Aufenthalt in München entscheidend: Er beschliesst, sich der Kunst zu widmen, und besucht die Akademie. Nach seiner Rückkehr nach Bern im Jahr 1903 setzt er seine Auseinandersetzung mit der europäischen Malerei auf Reisen fort, insbesondere in Holland, Italien und Paris.
Sein Schaffen beschränkt sich nicht auf das Plakat. Er fertigt auch Gemälde, Wandmalereien und Glasmalereien an, in einer von Ferdinand Hodler geprägten Bildsprache. Seine eigenständigste Stellung behauptet er jedoch in der Werbegestaltung, indem er eine malerische Sensibilität auf die Anforderungen eines Bildes überträgt, das rasch und aus der Distanz wahrgenommen werden soll.
Das Museum für Gestaltung Zürich betont den Bruch, den Zermatt mit den oft detailreichen, erzählerischen Tourismusplakaten vollzieht. Markante Konturen, farbige Flächen und die Konzentration auf das Hauptmotiv verleihen der Landschaft ihre visuelle Kraft. Das Museum weist zudem auf die Affinitäten dieser Komposition zum japanischen Farbholzschnitt hin.
Cardinaux’ Wagemut findet nicht immer ungeteilte Zustimmung. Das grüne Pferd, das er für die Schweizerische Landesausstellung von 1914 entwirft, löst eine heftige Kontroverse aus. Die Episode erinnert daran, dass Farbe über ihre beschreibende Funktion hinaus im öffentlichen Raum zu einem Anliegen der Moderne werden kann.
Um Cardinaux zu entdecken, kann man beobachten, wie der Blick auf das Wesentliche gelenkt wird: eine Silhouette, einen Hang, einen Farbkontrast. Seine Bilder laden dazu ein, die Landschaft zugleich als sinnliche Erfahrung und als konstruierte Form zu betrachten, die fähig ist, einen Ort im kollektiven Gedächtnis zu verankern.

