Auswahl der Swiss Art Gallery · Werk swissart-0115
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Le Tourment
Referenz swissart-0115







Swiss Art Gallery
Das Werk im Detail
Unter einem beinahe geschlossenen Himmel ordnet sich eine Masse von Wolken in dichten Wirbeln, von innen durch gräulich-grünliche Weißtöne erhellt. Die Bewegung scheint von links aufzusteigen, sich im Zentrum zu verdichten und sich dann nach rechts in einem langen leuchtenden Schweif auszudehnen. Jean Roll beschreibt das Gewitter nicht anekdotisch: Er verdichtet dessen Energie im Gegensatz großer dunkler Flächen und dampfartiger Materien, deren Konturen sich im Kontakt mit dem Licht auflösen.
Am unteren Rand der Leinwand ruht eine helle Sphäre allein auf einem schmalen horizontalen Streifen. Ihre ruhige und dichte Präsenz wirkt als Kontrapunkt zur Unruhe des Himmels. Die zarte Modellierung ihres Volumens, die vom opalweißen Ton in einen gebräunten Schatten übergeht, verleiht ihr eine beinahe greifbare Schwere; doch das Objekt bleibt unbestimmt, zwischen Himmelskörper, mineralischer Form und Element eines Stilllebens. Dieses Zögern steht im Zentrum der Komposition. Vor der bewegten Ausdehnung der Wolken hält die Sphäre den Blick fest und vermisst den Raum.
Die Palette ist bewusst begrenzt: bläuliche Schwarztöne, aschgraue Töne, kühle Grüntöne und seltene gedämpfte Roséakzente bilden eine nächtliche Atmosphäre, die von milchigen Lichtschimmern durchzogen ist. Der feine, weich ineinanderfließende Pinselstrich sucht nicht den spektakulären Effekt; er baut nach und nach die Schichten des Dunstes, die Übergänge vom Schatten zur Helligkeit und die stillen Zwischenräume auf, welche die im Vordergrund platzierte Form umgeben. Das Werk ist auf den 6. Januar 1977 datiert und unten links signiert; auf der Rückseite trägt es den handschriftlichen Titel Le Tourment, der seine zurückgehaltene Spannung erhellt, ohne sie auszuschöpfen.
Als Genfer figurativer Maler machte Jean Roll das isolierte Objekt gern zum Zentrum streng geordneter Räume. Seine « stillen Stillleben » verwandeln gewöhnlich Vasen, Federn, Muscheln oder Sphären in kontemplative Präsenzen, die vom Licht und von den Beziehungen der Formen bestimmt werden. Hier verschiebt sich dieses Vokabular hin zu einer atmosphärischen Vision: Die Sphäre bewahrt ihre vertraute Dichte, während der Himmel zum eigentlichen Schauplatz der inneren Zeit wird.