Auswahl der Swiss Art Gallery · Werk swissart-0114

Abandon

Referenz swissart-0114
Verfügbar1200 CHFÖl · 93 × 120 cm
Swiss Art Gallery

Das Werk im Detail

Ein weiblicher Akt nimmt fast die gesamte Breite der Leinwand ein und liegt im Vordergrund in einer zugleich geschmeidigen und konstruierten Pose. Ein Bein erstreckt sich nach links, während das andere nach vorn angewinkelt ist und eine Brechung in die lange Linie des Körpers einführt. Rechts ruht das Gesicht mit geschlossenen Augen nahe dem ausgestreckten Arm. Diese horizontale Anordnung, die dem Format des Gemäldes folgt, verleiht der Figur eine monumentale Präsenz, ohne den Eindruck des Rückzugs zu brechen, den der Titel nahelegt. Hinter ihr erheben sich mehrere Stämme mit heller Rinde, die an Birken erinnern, in einem nächtlichen, nahezu tiefenlosen Raum. Ihre unterbrochenen Vertikalen und abgebrochenen Äste antworten auf die Kontinuität des Körpers mit einem spröderen Rhythmus. Die Szene beschreibt nicht wirklich einen Unterholzbereich: Sie scheint vielmehr wie ein stilles Theater komponiert, reduziert auf einige ausgewählte Erscheinungen. Die weite, oberhalb der Figur ausgesparte dunkle Zone verstärkt dieses Gefühl der Abgeschiedenheit. Eine transparente Kugel, nahe dem linken Fuß platziert, bildet den wichtigsten Kontrapunkt zur Nacktheit. Ihre vollkommene Geometrie bündelt die schwachen Lichtschimmer des Dekors und stabilisiert das Ende der Komposition. Sie tritt in Dialog mit der langen hellen Kette, die den Hals umschließt und dann um den Unterarm gleitet, wodurch eine Folge punktueller Lichtreflexe im Halbdunkel entsteht. Diese Accessoires wirken nicht erzählerisch: Sie fungieren als Lichtmaße und fragile Zeichen zwischen Schmuck, Spiegelung und Schweigen. Die Malmaterie ist zurückgenommen und am Körper häufig geglättet, wo sich blasse Rosatöne, bläuliche Grautöne und Perlweiß allmählich miteinander verbinden. Anderswo, insbesondere im Hintergrund, bleibt die Struktur der Leinwand unter einer dünneren und vibrierenderen Farbschicht sichtbar. Der Kontrast zwischen der leuchtenden Hautfarbe und den farbigen Schwarztönen erzeugt kein theatralisches Hell-Dunkel; vielmehr hüllt er das Modell in ein kühles, diffuses Licht. Die schmale schwarze und helle Einfassung des Rahmens setzt diesen Gegensatz fort. Jean Roll überträgt hier auf den Akt die Prinzipien, die seine «stillen Leben» strukturieren: Präzision der Zeichnung, geometrisches Gleichgewicht, Transparenzen und meditative Unbewegtheit. Die Glaskugel, die seinem Vokabular der Gegenstände vertraut ist, wird zum diskreten Partner der menschlichen Figur. In diesem Werk von 1970 verbindet seine figurative Malerei so die taktile Präsenz des Körpers mit einem mentalen Raum, in dem die Zeit vorübergehend stillzustehen scheint.