Auswahl der Swiss Art Gallery · Werk swissart-0110

Gravure 3

Referenz swissart-0110
Verfügbar100 CHFGrafik & Multiples · 63,5 × 28 cm
Swiss Art Gallery

Das Werk im Detail

Auf einem hellen, weitgehend ausgesparten Blatt erhebt sich eine schmale gedruckte Form wie ein Fragment eines Paravents, einer Tapete oder einer pflanzlichen Tafel. Ihre betonte Vertikalität verleiht dem Bild eine beinahe architektonische Präsenz, während das pudrige Mauve der Einfärbung eine sanfte, leicht verblasste Atmosphäre zwischen Erinnerung an einen Innenraum und botanischer Erscheinung schafft. Das Motiv wird nicht als naturalistische Darstellung dargeboten: Es entsteht durch die Wiederholung kleiner länglicher Formen, die in regelmäßigem Regen verteilt sind, den Grund zum Schwingen bringen und zugleich an eine Rinde, ein Textil, stilisiertes Laubwerk oder eine perforierte Oberfläche denken lassen. In diesem gerasterten Feld heben sich mehrere geschwungene Linien ab. Im oberen Bereich entfaltet sich eine florale oder organische Silhouette um ein von feinen Strichen durchzogenes Oval; weiter unten führt eine breite, schräge, von parallelen Schraffuren durchlaufene Zone einen Wechsel von Rhythmus und Dichte ein. Danach erscheinen Formen von Blättern, Kelchen und Blütenblättern, als würde sich ein pflanzliches Repertoire im Ornament auflösen. Die weißen Aussparungen spielen eine wesentliche Rolle: Sie sind keine bloßen Leerräume, sondern einschneidende Linien, die die Konturen ausschneiden, die Oberfläche erhellen und dem Motiv seinen Atem verleihen. Das Ganze bewegt sich so zwischen dekorativer Ordnung und unbestimmbarem Bild, zwischen Wiederholung und Einzigartigkeit. Die in den Rändern sichtbare Papierstruktur mildert die Schärfe des Drucks und bewahrt eine der Druckgrafik eigene haptische Dimension. Die handschriftliche Bleistiftsignatur mit dem Vermerk « 1/2 H.C. » sowie der Prägestempel des Centre genevois de gravure contemporaine verorten das Werk im Kontext der Genfer Edition von 1986. Bei Chaimowicz ist das Dekor niemals bloße Verschönerung: Es wird zu einem mentalen Raum, aufgeladen mit Stille, Erinnerung und häuslicher Präsenz. Diese Radierung schließt somit an sein Interesse an Paravents, Wandflächen und Motiven an, die den alltäglichen Raum in eine intime Szene verwandeln. Ihre Sensibilität beruht auf dieser Ambiguität: Durch ihre chromatische Sanftheit wirkt die Darstellung einladend, bleibt jedoch geheimnisvoll, beinahe melancholisch, in der Weise, wie sich ihre Formen jeder endgültigen Identifizierung entziehen.