Auswahl der Swiss Art Gallery · Werk swissart-0105
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La promenade du matin
Nach Charles-Louis Lingée
Referenz swissart-0105








Swiss Art Gallery
Das Werk im Detail
Die Morgenpromenade, 1774 von Charles-Louis Lingée nach einer Komposition von Sigmund Freudenberger gestochen, entführt uns in das raffinierte und subtil theatralische Universum der französischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. In einem Garten gehen zwei elegant gekleidete Damen an einem Abt vorbei, der neben einer Blumenhändlerin sitzt. Zwischen ihnen entfaltet sich eine kleine soziale Komödie aus Blicken, Verführung und Erscheinungen, während ein kleiner Hund diskret das Zentrum der Komposition belebt.
Die Szene erhält ihren vollen Sinn im Licht des Textes, der ursprünglich dem Stich beigefügt war: Unter bescheidenen Äußerlichkeiten hätte der Abt die Gunst der Blumenhändlerin gewonnen, um die eleganten Damen, die an ihm vorbeigehen, näher betrachten zu können. Dieses Detail verwandelt den Spaziergang in eine wahre galante Szene, die charakteristisch für diese Gesellschaft des 18. Jahrhunderts ist, in der Kostüm, Geste und Blick Teil einer kodifizierten sozialen Sprache sind.
Lingée gibt mit bemerkenswerter Finesse das Zeichnen von Freudenberger wieder. Spitzen, Bänder, Hauben und Stoffe werden durch ein zartes Netz von Schnitten und Schraffuren dargestellt, während der monumentale Baum, die Architektur und der leicht bewölkte Himmel eine absichtlich schlichte Kulisse um die Figuren bilden. Die Präzision des Strichs steht im Kontrast zur Leichtigkeit des Themas und verleiht dem Ganzen diese Eleganz, die für den französischen Stich der letzten Jahrzehnte des Ancien Régime charakteristisch ist.
Die Morgenpromenade gehört zur Suite von Stichen, die der Geschichte der Sitten und des Kostüms der Franzosen im 18. Jahrhundert dient, einem bemerkenswerten Ensemble, das der Darstellung der Gesellschaft, ihrer Moden und ihrer Gebräuche gewidmet ist.
Über die Künstler — Charles-Louis Lingée (1748–1819), französischer Graveur, interpretiert hier eine Komposition von Sigmund Freudenberger (1745–1801), einem Schweizer Maler und Zeichner, der besonders für seine Genrebilder und seine raffinierten Darstellungen der Gesellschaft seiner Zeit geschätzt wird. Die Zusammenarbeit zwischen dem Zeichner und dem Graveur fügt sich vollständig in den Aufschwung der großen Stiche-Suiten in Paris ein, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Sitten und Kostümen beschäftigen.
Museumreferenz — Ein Exemplar der Morgenpromenade wird im Musée du Louvre, Abteilung für Graphische Künste, Sammlung Edmond de Rothschild (inv. 6319 LR/Recto) aufbewahrt. Der Louvre bewahrt auch verschiedene Zustände dieser Komposition auf, die den Entstehungsprozess dokumentieren.
Technik: Radierung und Stichel.
Entstehung der Platte: 1774.
Das genaue Alter des hier präsentierten Drucks muss durch die Untersuchung des Papiers, des möglichen Wasserzeichens und des Zustands der Platte bestimmt werden.